Double Diamond
Das Double Diamond ist ein UX-Designprozess und Prozessmodell für nutzerzentriertes Design, das der British Design Council im Jahr 2005 veröffentlicht hat. Es beschreibt den kreativen Prozess in vier Phasen: Discover, Define, Develop und Deliver. Jede Phase wechselt zwischen divergentem Denken (viele Möglichkeiten erkunden) und konvergentem Denken (auf das Wesentliche fokussieren).
Wer Digitalprojekte strukturiert angehen will, ohne am Ende die falsche Sache gebaut zu haben, braucht genau diesen Wechsel. Das Double Diamond macht ihn sichtbar und für alle Projektbeteiligten steuerbar.
Was ist das Double Diamond Modell?
Der Name beschreibt die Form des Prozessdiagramms: zwei nebeneinanderliegende Rauten ("Diamanten"), die zusammen einen doppelten Diamanten bilden. Der erste Diamant steht für das Finden des richtigen Problems, der zweite für das Entwickeln der richtigen Lösung. Beide folgen dem gleichen Rhythmus: öffnen, dann schließen.
Das Modell entstand ursprünglich, um eine gemeinsame Sprache für kreative Arbeit in sehr unterschiedlichen Disziplinen zu schaffen. Der British Design Council hat es 2019 um einen äußeren Prinzipienring erweitert; der Kern der vier Phasen blieb unverändert.
Zum Begriff "Diamond-Methode": Im Design- und UX-Kontext bezeichnet dieser Begriff in der Regel das Double Diamond Modell aus dem Jahr 2005 mit seinen vier Phasen Discover, Define, Develop und Deliver. In anderen Zusammenhängen steht "Diamond-Methode" für unterschiedliche Konzepte.
Die vier Phasen des Double Diamond
Das Modell teilt sich in zwei Diamanten auf. Jeder Diamant beginnt mit einer divergenten Phase (offen erkunden) und endet mit einer konvergenten Phase (gezielt entscheiden). Dieser Wechsel zwischen Öffnen und Schließen ist das Kernprinzip des Modells.
Phase 1: Discover (Entdecken)
In der Discover-Phase wird der Problemraum geöffnet. Ziel ist ein möglichst vollständiges Bild der Situation, bevor eine Richtung festgelegt wird. Das umfasst Nutzerinterviews, Beobachtungen, Wettbewerbsanalysen und das Auswerten von Nutzungsdaten. Die Leitfrage lautet: Was ist hier eigentlich das Problem?
Typische Methoden in dieser Phase sind kontextuelle Interviews, Analytics-Auswertungen, Stakeholder-Befragungen und qualitative Beobachtungsstudien.
Phase 2: Define (Definieren)
In der Define-Phase konvergiert das Team. Aus dem breiten Recherchefeld entsteht eine klare, priorisierte Problemdefinition. Das Team filtert und verdichtet: Was ist das wichtigste Problem, das wirklich gelöst werden muss? Das Ergebnis ist ein präzises Problem Statement oder eine sogenannte "How Might We"-Frage.
Diese Phase wird am häufigsten übersprungen, wenn Projekte unter Zeitdruck stehen. Das ist ein zentraler Grund, warum Digitalprojekte scheitern: Das Team hat nicht das richtige Problem gelöst, sondern das nächstliegende.
Phase 3: Develop (Entwickeln)
Mit einer klaren Problemdefinition öffnet sich der zweite Diamant. In der Develop-Phase werden mehrere Lösungsansätze entwickelt und erprobt. Brainstorming, Konzeptskizzen, Wireframes und erste Prototypen entstehen hier. Das Ziel ist Vielfalt, nicht Perfektion.
Phase 4: Deliver (Umsetzen)
Im Deliver kehrt die Konvergenz zurück. Die vielversprechendsten Prototypen werden mit echten Nutzern getestet, verfeinert und zur Umsetzung freigegeben. Bei einem Website-Relaunch ist das typischerweise der Moment, an dem ein finales Design in Webflow umgesetzt und live gestellt wird.

Praxisbeispiel: B2B-Website-Relaunch nach dem Double Diamond
Das folgende Szenario ist illustrativ: Es zeigt, wie ein strukturierter Double Diamond Prozess bei einem typischen B2B-Website-Relaunch aussehen kann.
Discover: In strukturierten Interviews mit Bestandskunden und dem Vertriebsteam wird klar, dass die aktuelle Navigation nach internen Abteilungsstrukturen aufgebaut ist, nicht nach den Fragen der Kunden. Analytics-Daten zeigen eine Absprungrate von rund 75% auf der Produktübersichtsseite.
Define: Das Kernproblem: Potenzielle Kunden finden nicht die für sie relevanten Informationen, weil die Seitenstruktur intern denkt statt kundenzentriert. Dieses Problem Statement schärft das Ziel der Überarbeitung auf das Wesentliche und verhindert, dass das Projektteam an der falschen Frage arbeitet.
Develop: Auf Basis dieser Definition entstehen drei unterschiedliche Navigationskonzepte und erste Wireframes. Ein Klickprototyp in Webflow wird mit echten Nutzern getestet, bevor größeres Budget in das finale Design fließt.
Deliver: Das stärkste Konzept wird verfeinert, als vollständiges Design umgesetzt und live gestellt. Vier Wochen nach Launch zeigen die Daten: Die Absprungrate ist deutlich gesunken, die Kontaktanfragen haben sich erhöht.
Wie ein strukturierter Prozess bei einer vollständigen Neugestaltung der Unternehmenswebsite aussieht, zeigen wir in einem eigenen Artikel mit konkreten Schritten und Entscheidungspunkten.

Worin unterscheidet sich der Double Diamond von Design Thinking und Scrum?
Double Diamond vs. Design Thinking
Design Thinking ist ein breiter Denk- und Kulturrahmen, der Empathie, Kreativität und Experimentierfreude in den Mittelpunkt stellt. Das Double Diamond ist ein konkretes Prozessmodell. Die beiden ergänzen sich gut: Design Thinking beschreibt die Haltung, das Double Diamond beschreibt den Ablauf. Wer Design Thinking bereits praktiziert, findet im Double Diamond einen strukturierten Projektrahmen für die Umsetzung. Dieser Unterschied ist auch im Kontext von B2B Online Marketing relevant: Design Thinking bleibt oft in der Theorie, das Double Diamond liefert einen handhabbaren Prozess.
Double Diamond vs. Scrum
Scrum strukturiert die Umsetzungsarbeit in Sprints und regelt Rollen sowie Meetings. Das Double Diamond greift früher an: Es strukturiert das Verstehen des Problems, bevor ein erster Sprint geplant wird. In vielen gut geführten Projekten kombinieren Teams beide Frameworks: Der erste Diamant klärt die Richtung, Scrum setzt sie um. Die Frage, welche Plattform für den Deliver dabei am besten passt, beantwortet der Artikel über die Webflow Website für Unternehmen: Lohnt es sich in 2026?
Warum die Problemphase Budget spart
Korrekturen in frühen Projektphasen sind erheblich günstiger als Nachbesserungen nach dem Launch. Eine oft zitierte Faustregel aus der Softwaretechnik, die auf Barry Boehm zurückgeht, beziffert den Unterschied zwischen einer frühen Anforderungsänderung und einer Korrektur nach dem Go-live auf einen Faktor von 10 bis 100. Die genaue Größenordnung ist umstritten, die Richtung nicht. Das ist der wirtschaftliche Kern des Modells: Wer früh das richtige Problem definiert, muss später weniger umbauen, weniger Entwicklungsrunden drehen und weniger Budget nachschießen.
Häufige Fehler bei der Anwendung des Double Diamond
Das Double Diamond ist ein Denkrahmen, kein bürokratisches Pflichtprogramm. In der Praxis gibt es drei Fehler, die seinen Nutzen stark einschränken.
- Direkt in Lösungen springen: Wer mit einem vorgefassten Lösungskonzept in den Prozess geht, sammelt in der Discover-Phase nur Bestätigung statt echte Einsichten. Das Modell erfordert echte Offenheit in Phase 1.
- Phase "Define" überspringen: Ohne klare Problemdefinition wird der zweite Diamant richtungslos. Teams entwickeln dann viele Lösungen für viele Probleme, ohne zu wissen, welches davon das wichtigste ist.
- Das Modell als starren Wasserfall verstehen: In der Praxis iterieren Teams. Erkenntnisse aus der Develop-Phase können zurück zur Define-Phase führen. Das Modell beschreibt die Denkstruktur, nicht einen unveränderlichen Projektzeitplan.
Wer ein Digitalprojekt mit einer erfahrenen Webflow Agentur angeht, die diesen Prozess kennt, vermeidet diese Fallstricke von Anfang an und hält das Projektziel vom ersten Tag an im Blick.
Double Diamond in der Praxis: der nächste Schritt
Das Modell ist am wirkungsvollsten, wenn alle Projektstakeholder von Anfang an einbezogen sind. Entscheider, die nur das Ergebnis der Define-Phase sehen, ohne die Discover-Ergebnisse nachzuvollziehen, unterschätzen oft den Wert der Recherchephase. Das Gegenteil stimmt: Die Define-Phase ist das Ergebnis, das Discover-Budget ist die Versicherung gegen teure Nachkorrekturen.
Für viele B2B-Unternehmen ist das Double Diamond der erste strukturierte Prozess, den sie in ihre Digitalprojekte einführen. Er schafft nicht nur konkretere Ergebnisse, weniger Entwicklungsrunden und eine niedrigere Fehlerquote beim Launch, sondern auch eine gemeinsame Sprache zwischen Design, Entwicklung und Unternehmensführung.
Wenn du wissen möchtest, wie wir diesen Prozess in konkreten Website-Projekten einsetzen, findest du bei unserer Webdesign Agentur in Düsseldorf weitere Informationen zu unserer Vorgehensweise.

















































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